Kreis Viersen rückt dem Ziel der Klimaneutralität 2040 näher
Am Ransberg in Viersen-Dülken entsteht im Kreis Viersen ein zukunftsweisendes Neubau-Ensemble. Neben dem multifunktionalen Verwaltungsgebäude wird dort auch die neue Kreisförderschule gebaut. Zusammen mit dem bereits fertiggestellten Kreisarchiv setzt das Projekt ein deutliches Zeichen für klimabewusstes und zirkuläres Bauen.
Das neue Verwaltungsgebäude wird künftig das Straßenverkehrsamt sowie die Führerscheinstelle des Kreises aufnehmen. Gleichzeitig ist der Bau bewusst so flexibel konzipiert, dass auch andere Verwaltungsbereiche einziehen können. Diese multifunktionale Ausrichtung bildet die Grundlage für eine langfristig wirtschaftliche und nachhaltige Nutzung.
Mit dem Neubau setzt der Kreis ein klares Zeichen für seine Vorbildrolle als öffentliche Hand und macht deutlich, wie sich ressourcenschonendes und CO₂-optimiertes Bauen erfolgreich realisieren lässt. Schon früh wurde in der Ausschreibung festgelegt, möglichst viel CO₂ zu binden und eine positive Klimabilanz zu erzielen. Grundlage dafür sind ein Tragwerk in Holzbauweise und ein Innenausbau, der konsequent auf die Materialien Holz und Lehm setzt.
Lehm und Holz greifen im Gebäude vielfach ineinander. Die tragende Holzkonstruktion wurde mit dem tragenden Lehmstein 2000 3DF ausgemauert und mit der Lehmbauplatte schwer bekleidet. Auch im Trockenbau spielt Lehm eine zentrale Rolle: Die Ständerwerke und Vorsatzschalen mit Holz-Unterkonstruktion wurden mit der Lehmbauplatte schwer in den Stärken 16 und 22 mm beplankt, Massivholzwände wurden mit Holzfaserplatten in verschiedenen Stärken ergänzt. Zusätzlich kamen Lehmsteine DF in Stapeltechnik zum Einsatz, ebenfalls beplankt mit der Lehmbauplatte schwer. Als hochwertige Oberflächen wurden YOSIMA Lehm-Designputz oder ClayFix Lehm-Anstrich verwendet.
Bauen nach dem Prinzip der zirkulären Wertschöpfung
Der Neubau folgt konsequent dem Ansatz der zirkulären Wertschöpfung. Ziel ist es, Bauteile nach ihrer Nutzungsphase möglichst hochwertig wiederzuverwenden und so Materialwerte im Kreislauf zu halten. In Nordrhein-Westfalen kann dieser Restwert gemäß MHKB-Erlass vom 09.03.2023 im kommunalen Anlagevermögen bilanziert und so die jährlichen Abschreibungen reduziert und der Haushalt entlastet werden.
Lehmbauprodukte bieten dazu ideale Voraussetzungen: Sie lassen sich sortenrein zurückbauen und ohne Qualitätsverlust erneut zu Lehmbauprodukten verarbeiten. Gleichzeitig unterstützen Lehmputze durch ihre Löslichkeit den Rückbau angrenzender Materialien, da sie im Gegensatz zu chemisch abbindende Mörtel reversible Verbindungen eingehen.
Auch im laufenden Betrieb ist das Gebäude durchgängig auf einen sparsamen Ressourceneinsatz ausgerichtet. Ein integriertes Energiekonzept mit Eisspeicher und Photovoltaikanlage gewährleistet eine effiziente und wirtschaftliche Versorgung. Der flexibel geplante Innenausbau ermöglicht zudem, Grundrisse bei veränderten Anforderungen mit geringem Materialeinsatz anzupassen. Dabei spielen die eingesetzten Lehmbauprodukte ihre bauphysikalischen Vorteile aus: Sie wirken temperaturausgleichend, puffern Luftfeuchtigkeit und tragen so zu niedrigen Betriebskosten und einem angenehmen Raumklima bei.
Gemeinsam zum nachhaltigen Erfolg
Schon in den frühen Planungsphasen wurden Materialien und Bauteile umfassend analysiert, um ihre CO₂-Wirkung, Rückbaubarkeit, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit zu optimieren. Der Erfolg des Projekts basiert dabei auf der engen Abstimmung aller Beteiligten: einem Bauherrn mit eindeutig definierten Zielen, einem Planungsteam mit Kompetenz im Holzbau und in der Zirkularität, erfahrenen Lehmbau-Handwerksbetrieben und Herstellern, die zukunftsfähige Lösungen für das Bauen im Kreislauf entwickeln.