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Ein historischer Pferdestall wird zum Wohnraum

Um ihre Wohnfläche auf ein familienkompatibles Maß zu erweitern, erwarben die Eheleute Plettscher ihr Nachbarhaus – inklusive historischem Pferdestall, der einst Teil der örtlichen Poststation war. In loser Folge begleiten wir das denkmalpflegerisch ambitionierte Bauvorhaben, in dem Lehmbau eine wichtige Rolle spielt.

Leben im Denkmal

19. August 2019

Um ihre Wohnfläche auf ein familienkompatibles Maß zu erweitern, erwarben die Eheleute Plettscher ihr Nachbarhaus – inklusive historischem Pferdestall, der einst Teil der örtlichen Poststation war. In loser Folge begleiten wir das denkmalpflegerisch ambitionierte Bauvorhaben, in dem Lehmbau eine wichtige Rolle spielt.

In Viersen-Dülken am Niederrhein bewohnen die Eheleute Angela und Stephan Plettscher schon seit einigen Jahren ein älteres Haus im historischen Stadtkern. Die junge Familie bekam vor kurzem Zuwachs: Der gemeinsame Alltag mit ihren Zwillingen bringt viel Neues und Veränderungen mit sich. Um den benötigten zusätzlichen Raum für die geänderten Lebensumstände zu schaffen, erwarb das Ehepaar den angrenzenden Anbau, einen ehemaligen Pferdestall. Im 18. Jahrhundert war dieser Bestandteil der Dülkener Poststation. Die Plettschers haben sich vorgenommen, bei der Renovierung ihrer zusätzlichen Wohnräume dem historischen Hintergrund dieses besonderen Gebäudes Rechnung zu tragen – in Abstimmung mit der Viersener Denkmalbehörde.

historisches Pferdetrog

„Tankstelle“ des 18 Jahrhunderts

Salopp gesprochen, könnte man den ursprünglichen Nutzungszweck der Immobilie als Vorläufer der heutigen Tankstellen beschreiben. Transportmittel der Wahl, war im 18. Jahrhundert natürlich noch nicht das Auto, sondern sein vierbeiniger Vorläufer, das Reitpferd. Dieses bot immerhin die Inspiration für die bis ins ausgehende zwanzigste Jahrhundert hochoffizielle und bis heute gebräuchliche Maßeinheit der Leistung benzingetriebener Motoren, die „Pferdestärken“ (PS). Den „Kraftstoff“ für die Rappen boten Heu und Stroh sowie das Wasser aus der Tränke, kombiniert mit einigen Stunden Schlaf für Ross und Reiter. Die damalige Pferdetränke, ein grob aus einem Stein gehauener Trog, findet sich noch heute im einstigen Pferdestall. Nur wenige Meter entfernt verläuft, den Garten begrenzend, ein Bestandteil der einstigen Stadtgrenze: eine aus gebrannten Ziegelsteinen errichtete hohe Stützmauer, die dem Zweck diente, im Falle eines Angriffs die eigentliche Stadtmauer zu verstärken.

„Die Tränke wird auf jeden Fall einen Ehrenplatz bekommen“, verspricht die Bauherrin. Ebenso wie die zum Teil noch original erhaltenen Balken des Holzständerwerks. Wenn man genau hinschaut, erkennt man an manchen Stellen Bissspuren im Holz, mutmaßlich verursacht durch die seinerzeit hier angebundenen Pferde. Mitte Juli 2019 bestimmen noch Baugerüste das Bild, es sind aber auch schon deutlich sichtbare Baufortschritte zu erkennen. Zwischen Scheune und Haupthaus  wurde ein beide Gebäude verbindender Neubau errichtet. Ebenso wie im historischen Pferdestall, kommt auch im Neubau Lehm zum Einsatz. Dort nicht auf einer Fachwerk-Konstruktion, sondern auf mit Porotonsteinen errichteten Mauern. Im Obergeschoss der Scheune hat Lehmbauer Stefan Brenkers bereits große Wandflächen mit CLAYTEC-Pavadentro-Platten versehen und Lehmunterputz aufgetragen. An der zum Haupthaus hin gelegenen einstigen Außenmauer zeichnen sich die Umrisse des Original-Giebels des Anbaus ab. Offenbar war der Stall ursprünglich niedriger, ohne oder zumindest mit deutlich kleinerem Obergeschoss. Details wie diese sollen später optisch erkennbar aufbereitet werden.

Mann renoviert alten denkmalgeschützten Pferdestall

Lehmbau-Vielfalt von edel bis archaisch

Im Obergeschoss wird dann YOSIMA Lehm-Designputz für ein edles Finish sorgen. Darunter, im eigentlichen Pferdestall, soll die archaische Optik des groben Lehm-Unterputzes mit Strohanteil das Bild bestimmen. Lieferant für alle CLAYTEC-Lehmbaustoffe hier ist der Baustoffhandel Baltes in Wegberg. Detail-Entscheidungen wie die Kenntlichmachung des Original-Pferdestall-Giebels oder eine gerahmte Sicht-Öffnung, die den Blick auf  das Original-Mauerwerk im Stall ermöglicht, entwickeln sich in enger Abstimmung zwischen dem ausführenden Lehmbau-Spezialisten Brenkers und seinen Auftraggebern – oft  spontan aus der täglichen gemeinsamen Arbeit auf der Baustelle heraus.

Im konstruktiven Miteinander von Bewohnern und Handwerker zeigt sich: Arbeit „von der Stange“ gibt es hier so gut wie gar nicht. Solch eine geschichtsträchtige Lehm-Baustelle ist immer etwas Besonderes. Lehmbau-Kunden sind vielfach Individualisten mit speziellen persönlichen Vorlieben und kreativen Ideen – wie im Fall der Familie Plettscher oft verbunden mit ausgeprägtem denkmalpflegerischem Anspruch. Der typische Lehmbau-Spezialist ist deshalb nicht nur Handwerker, sondern zeichnet sich durch mitdenkende Kreativität und idealer Weise durch ein hohes Maß an Empathie aus. Er wird immer versuchen, sich in seine Auftraggeber „hineinzudenken“. Ob und wie das auch im einstigen Pferdestall in Dülken gelingt – dazu bald mehr an dieser Stelle.

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