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ClayTec trauert um Hannah Schreckenbach

4. August 2023

 

 

 

 

 

Vor zwei Tagen erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod Hannah Schreckenbachs. Hannah war Gründungsmitglied des Dachverband Lehm e.V. und diente dem Verband viele Jahre mit Engagement und Herzblut, unter anderem in der Öffentlichkeitsarbeit. Insgesamt begleitete sie die Entwicklung des Lehmbaus in Deutschland und steuerte wichtige Impulse bei. Doch ihr Herz schlug insbesondere für Afrika.

 

 

 

Bei ClayTec schätzten wir Hannah sehr. Mit ihr verliert die Lehmbau-Community eine fachlich-kritische Wegbegleiterin und einen humorvollen und warmherzigen Menschen. Von mehreren ClayTec Beiträgen zitieren wir hier einen Blog-Artikel aus dem Jahr 2012, der eine Reise unseres damaligen Kollegen Dieter Mai in Hannahs Heimatstadt Magdeburg beschreibt.

„Meine alte Maurerkelle habe ich noch“ – eine Begegnung mit Hannah Schreckenbach

Unlängst hatte ich das große Vergnügen, in Magdeburg die Architektin Hannah Schreckenbach zu treffen. Während der mehr als anregenden Begegnung mit einer der Protagonistinnen der Lehmbau-Renaissance in Deutschland wurde schnell klar: ein solch reiches Leben wie das meiner Gesprächspartnerin war an einem Tag kaum zu erfassen. Der vorliegende Text kann daher nur den Versuch einer Annäherung an einen außergewöhnlichen Menschen mit einer faszinierenden Biografie darstellen.

Erst einige Wochen vor unserem Treffen hat Hannah Schreckenbach ihren achtzigsten Geburtstag gefeiert, dennoch existiert der Begriff „Ruhestand“ in ihrem Sprachgebrauch nicht. „Jeder Tag zählt. Ich genieße mein Leben mehr als je zuvor“, erklärt sie und blickt aus hellwachen Augen. Gleich an zwei neuen Buchprojekten arbeitet sie in diesen Tagen. Sie engagiert sich im Förderverein Dom zu Magdeburg e.V., ist aktives (und ältestes) Mitglied in der Architektenkammer Sachsen-Anhalt und tritt als Referentin und Moderatorin auf Tagungen und Fachveranstaltungen auf. Auch beim Dachverband Lehm, den sie 1992 gemeinsam mit Claytec-Betreiber Peter Breidenbach, dem aktuellen Verbandsvorsitzenden Dr. Horst Schröder und anderen Lehmbau-Experten ins Leben rief, ist der fachliche Rat seiner Mitbegründerin noch heute gefragt.

Professionalisierung statt Idealisierung

Ihr Credo: „Lehm ist ein Baustoff.“ Dieser müsse gleichwertig mit anderen Baumaterialien betrachtet werden – durchaus unter Hervorhebung seiner Stärken in Punkto Ökologie und Wohngesundheit aber auch ohne verklärende Idealisierung. Peter Breidenbach habe das seinerzeit als einer der Ersten erkannt und für seine unsentimentale und pragmatische Betrachtungsweise teilweise herbe Kritik aus der alternativen Lehmbauer-Szene der frühen Tage einstecken müssen. Umso höher sei seine Leistung zu bewerten, die Produktion und den Vertrieb von Lehmbaustoffen konsequent auf ein zuvor nicht dagewesenes Level der Professionalität gehoben zu haben. Hannah Schreckenbach selbst bezieht ihren Wissensschatz in Sachen Lehm aus reichhaltigen Erfahrungen mit der Anwendung, Technik und Gestaltung in so unterschiedlichen Lehmbautraditionen wie denen Mitteldeutschlands und des westafrikanischen Staates Ghana, wo sie mehr als 20 Jahre ihres Lebens verbrachte.

Aufbau braucht Expertenwissen

„Das ist Afrika!“ – in der Stimme des überaus zuvorkommenden und gewitzten Kellners mit der modisch-akkuraten Dreadlock-Frisur ist das Erstaunen unüberhörbar. Was hat die freundliche ältere Dame, der er schon so oft ihren Kaffee servierte, mit der Heimat seiner Eltern zu schaffen? Hier im Restaurant „Bralo House“ am Magdeburger Domplatz gibt es für Hannah Schreckenbach nicht oft einen Anlass, über die lange vergangene Zeit zwischen 1960 und 1982 zu berichten, die sie in Ghana verbrachte. Jetzt aber skizziert sie für den Besucher vom Niederrhein die Umrisse des Kontinents und die Lage des westafrikanischen Staates mit Kugelschreiber auf einem weißen Blatt, gerade als der Restaurant-Angestellte an diesem heißen Junitag einmal mehr die Getränke nachfüllt.

„We need Experts, Hannah“ – an diese Worte ihres Ghanaischen Kommilitonen, ausgesprochen in London im Jahr 1960, erinnert sich Hannah Schreckenbach noch heute. Zwar fühlte sich die frisch ausgebildete Architekten damals noch nicht wirklich als „Expertin“, trotz eines eben absolvierten Postgraduierten Studiums in Townplanning an der London University, aber die Eloquenz mit der ihr Mitstudent sie ermunterte, ihre neu erworbenen Fähigkeiten in den Dienst des Aufbaus des erst drei Jahre zuvor unabhängig gewordenen afrikanischen Staates zu stellen, blieb nicht ohne Wirkung auf die junge Frau aus Deutschland. Ihr daraufhin gefasster Entschluss sollte einem an Umbrüchen bis dahin schon nicht armen Leben eine weitere entscheidende Wendung bringen.

 

Autor: Ulrich Röhlen veröffentlicht am 25.07.2023

 

 

 

 

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